Speisekarte für hyperaktive, ängstliche und aggressive Hunde

Ernährung ist ein spannendes Thema: Was wir (und unsere Hunde) essen, wirkt sich auf unser physisches und psychisches Wohlbefinden aus. Interessehalber hab ich mal wieder James O’Heare (1) hervorgekramt, um mir in Erinnerung zu rufen, was er zum Thema Füttern und Verhalten sagt.

Eines der Schlüsselelemente für psychische Ausgeglichenheit ist Serotonin. Serotonin ist unter anderem jener Neurotransmitter, auf dessen Zur-Verfügung-Stehen sich SSRIs (eine gängige Art Antidepressiva) auswirken. Ein Mangel an Serotonin kann beim Menschen unter anderem zu Depression, beim Hund zu Angst, Aggression, Impulsivität oder Hyperaktivität führen. Darum werden sowohl Mensch als auch Hund mitunter mit SSRIs behandelt. Gibt es aber auch Möglichkeiten, den Serotoninspiegel in der Gewebsflüssigkeit des Gehirns über die Nahrung zu erhöhen?

James O’Heare sagt ja. Dabei können wir uns auf zwei Aminosäuren konzentrieren, die in der Nahrung vorhanden sind und im Körper in Neurotransmitter umgewandelt werden: Tryptophan (davon wollen wir viel, weil es die Vorstufe zu Serotonin ist) und Tyrosin (davon wollen wir wenig, weil es die Vorstufe eines “Konkurrenten” von Serotonin, eines sogenannten Serotonin-Antagonisten, ist).

Aus der Nahrung kommen Tryptophan, Tyrosin und andere Aminosäuren erstmal ins Blut, über das sie zur Blut-Hirn-Schranke transportiert werden. An der Blut-Hirn-Schranke streiten sich die Aminosäuren um Einlass, denn es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Türen ins Gehirn. Ist viel Tyrosin vorhanden, gelangt wenig Tryptophan ins Gehirn. Ist viel Tryptophan und wenig konkurrierendes Tyrosin vorhanden, gelangt mehr Tryptophan ins Gehirn. Diesen zweiten Fall wollen wir erreichen.

1. Mais vermeiden: Mais enthält große Mengen Tyrosin und kleine Mengen Tryptophan. (Mais ist häufig in Fertigfutter enthalten.)
2. Hochwertige Proteinquellen (Fleisch, Tofu!, …) enthalten mehr Tryptophan als Tyrosin.
3. Kohlenhydratreiches Futter (Reis, Kartoffeln, Hafer, Gerste – kein Mais) enthält zwar weniger Tryptophan als Fleisch, allerdings ist das Verhältnis Tryptophan : Tyrosin besonders günstig.
Was noch wichtiger ist: Kohlenhydrate führen zur Ausschüttung von Insulin. Das Insulin wiederum zieht große Aminosäuren zu den Muskeln. Trytophan ist anders gebaut als andere Aminosäuren und von dieser Umleitung weniger stark betroffen. Daher gibt es weniger Konkurrenz für das Tryptophan an der Blut-Gehirn-Schranke, und in Folge kann mehr Tryptophan ins Gehinr kommen und zu Serotonin umgewandelt werden!

Was folgt daraus?

Bei hyperaktiven, ängstlichen, aggressiven oder impulsiven Hunden könnte man durchaus ausprobieren, ob eine Futterumstellung trainingsunterstützend wirkt: maisfrei, mit hochwertigen Proteinquellen und einer Kohlenhydratquelle.

Ob das allein hilft? Ohne Training wahrscheinlich nicht, aber trainingsunterstützend das Futter umzustellen, ist sicher einen Versuch wert. Habt ihr’s bereits ausprobiert? Ich freu mich auf euren Bericht in den Kommentaren!

(1) O’Heare, James: Die Neuropsychologie des Hundes. Animal Learn: 2009. S. 51-56.

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