Fränkies Trainingstagebuch, Teil 2

Fränkie ist Samstag Nachmittag gekommen und bis Montag Nachmittag geblieben. Ich bin begeistert von meinem Trainingsgast!

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Beobachtungen von Fränkies Mama 

Fränkies Besitzerin meint, sie habe an seinem Verhalten gegenüber dem Hund ihrer Mutter festgestellt, dass Fränkie vom Kontakt mit meinen Hunden profitiere. Am Alleinebleiben hat sie nicht gearbeitet.

Barrieren innerhalb der Wohnung

Nach einigen Babygitter-Übungen in Sekunden- und dann Minutenlänge habe ich bereits am Freitag mehrmals dreißig Minuten hinterm Babygitter gearbeitet – mit Fränkie im angrenzenden Raum. Mal ich im Wohnzimmer, er im Schlafzimmer, mal umgekehrt. Am Samstag habe ich auch immer mal wieder ca. 30 Sekunden außer Sicht verbracht und dabei auch Klo- und Badetür hinter mir zugemacht, während Fränkie im Schlafzimmer hinterm Babygitter entspannt geblieben ist. Auch daran, dass er auf einer Seite des Babygitters ist und Phoebe auf der anderen, haben wir gearbeitet.

Departure Cues entwerten

Unabhängig vom Rausgehen hab ich zwischendurch immer wieder mal an der Entwertung von Departure Cues gearbeitet: Schuhe anziehen und kochen, Schuhe ausziehen. Jacke anziehen und Pasta essen, Jacke ausziehen. Das möchte ich auch beim nächsten Mal noch vertiefen.

Rausgehen mit und ohne Kauartikel 

Ich konnte am Freitagabend bereits 30 Sekunden rausgehen und einen entspannt am Kong/Rindskopfhautstück nagenden Fränkie im Wohnzimmer zurücklassen. Begonnen habe ich folgendermaßen:

  1. Berühren der Türschnalle – wieder hinsetzen. Mehrmals wiederholen, bis es Fränkie unbeeindruckt lässt.
  2. Berühren der Türschnalle mit Rein- und Rausstecken des Schlüssels.
  3. Kurzes Öffnen und Schließen der Tür. Wiederholen, bis es Fränkie egal ist.
  4. Tür ganz auf, bei offener Tür einen Schritt raus, wieder rein, Tür zu. Wiederholen.
  5. Tür auf, Schritt raus, Tür zu, Tür auf, rein. Wiederholen.
  6. Sobald Schritt 5 funktioniert hat, konnte ich dann die Dauer draußen ausdehnen. Erst vor dem Zurückgehen bis 5 zählen. Dann bis 10 zählen. Dann bis zum Lift gehen und wieder zurück. Lift betätigen, Lifttür auf- und zugehen lassen, wieder zurück.

Am Sonntag habe ich wieder langsam die Zeit gesteigert und das Ganze mit entspannt dösendem Fränkie ohne Futter durchgespielt. Ich konnte die Zeit dann bis auf 2:30 Minuten ausdehnen! Und am Montag auf ganze 3:45 Minuten! Ohne Futter! Yeah! Für Fränkie ist das riesig!

Mittels Spionagetool kann ich Fränkie im Auge behalten, auch wenn ich nicht im Zimmer bin: Auf meinem Laptop läuft das Gratis-Programm iCam Source, und auf meinem Handy die entsprechende App. So kann ich über die Kamera meines Laptops mein Wohnzimmer am Smartphone überwachen und, sollte Fränkie mal aufstehen, einen idealen Zeitpunkt zum Reinkommen wählen (wenn er entspannt liegt). Da es auf meinem Handy nur innerhalb der Wifi-Reichweite funktioniert, bin ich dann auf Filmen mittels QuickTime umgestiegen und habe die Videos beim Zurückkommen analysiert. Mein Wifi funktioniert nur bis zum Lift, ich habe die 3:45 aber dafür genutzt, etwas aus dem Keller zu holen.

Hier eins meiner Videos:

Rausgehen – der Phoebe-Faktor

Probehalber habe ich versucht, Phoebe mit vor die Eingangstür zu nehmen. Das geht gar nicht – da wird Fränkie sofort (innerhalb der ersten Sekunde) nervös, bellt, kratzt an der Wand und springt an der Tür hoch. Vorerst können wir also nur in Phoebes Anwesenheit an Fränkies Trennungsangst arbeiten. Die Übung mit Phoebe auf der anderen Seite des Babygitters ist aber bereits Vorarbeit für den nächsten Schritt.

Hundezone

Samstag Nachmittag und Sonntag Früh war ich in einer eigens zu diesem Zweck aufgespürten Hundezone hier in der Nähe. Ich wusste noch nicht, ob ich Fränkie frei laufen lassen kann. Der Samstag verlief unproblematisch, da wir den Auslauf bis auf eine andere Hündin für uns allein hatten. Am Sonntag war allerdings einiges los, und zudem gab es Spaziergänger, die mit ihren Hunden genau um die Hundezone spazierten. Da erlebte ich, was mir Fränkies Besitzerin geschildert hat: Dass er sich aufregt und andere Hunde anbellt, wenn er an der Leine oder ein Zaun dazwischen ist.

Freilauf

Wir waren am Samstag Nachmittag in der Lobau unterwegs. Alle drei Hunde im Freilauf. Fränkie hat zwar keinen Whiplash-Rückruf, aber hält von sich aus einen gewissen (relativ großen) Radius um mich ein. Er hat großen Spaß dabei, im feuchten Laub zu schnüffeln, alles zu untersuchen, im eiskalten Wasser zu planschen und mit Phoebe durch den Wald zu springen. Auch eine Begegnung mit zwei freilaufenden Labis verlief problemlos.

Leinenführigkeit

Wow! Fränkie hat sich wohl einiges vom letzten Mal gemerkt. Er hat das Clickerspiel mit der Leine verstanden; hält die Leine locker und tut seine Sache, und zwischendurch schaut er mich an, um sich einen Click und ein Leckerli abzuholen. Diesmal arbeitet er draußen auch für Trockenfutter. Der Erregungslevel dürfte also niedriger sein als letztes Mal.

Ressourcen verteidigen

Ich habe festgestellt, dass Fränkie ein wenig zum Ressourcenverteidigen gegenüber anderen Hunden neigt. Bei Kau-Dingern und Menschen muss ich also aufpassen, dass er nicht ins Verteidigungsverhalten kippt. Gegenüber Fanta neigt er dazu eher als gegenüber Phoebe. Ich habe bereits gegenkonditioniert, indem ich mich wiederholt kurz mit Fanta beschäftigt und gleich darauf Fränkie gefüttert habe.

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Bleib

Da Fränkie, wenn es rausgeht, am liebsten vor Freude das Stiegenhaus auf- und abrennen würde – anders als meine beiden, die geduldig warten, während ich mir vor der Tür die Schuhe anziehe -, hab ich begonnen, ihm ein Bleib beizubringen, sodass ich ihn praktisch absetzen kann, wenn ich die Hände frei brauche.

Es zeigt sich: Fränkie lernt sehr schnell. Alexandra Kurland spricht davon, dass manche Pferde, die den Clicker kennen lernen, “Helen-Keller-Momente” erleben: Plötzlich ist Kommunikation zwischen den Spezies möglich! Plötzlich ist alles viel klarer. Ich habe den Eindruck, dass Fränkie auch so einen Helen-Keller-Moment hatte. Er ist geduldig und aufmerksam, und seine Augen leuchten. Ihn zu clickern macht riesig Spaß: Ich habe spaßhalber mit Beinslalom begonnen; er arbeitet freudig mit, ohne sich aber aufzuregen. Macht Spaß, der Hund! 🙂 Auch Platz dürfte neu gewesen sein für ihn, das haben wir auch schon gemacht.

Hausaufgaben für Fränkies Mama

Fränkies Mama wird nun auch am Aufbau des Alleinebleibens arbeiten und dabei so vorgehen wie ich: Ganz langsam bei Null beginnen, ihn nie überfordern und vorerst nie ohne Hundesitter länger allein lassen. Auch an den Departure Cues wird sie arbeiten.

Mein Fehler dieses Wochenende

Einen Fehler hab ich heute gemacht: Ich habe meine Hunde im Wohnzimmer gelassen, als Fränkies Besitzerin zum Abholen gekommen ist. Wenn sie kommt, regt er sich in der Begrüßungsfreude sehr auf, springt dann zwischen ihr und mir hin und her, bellt, dreht sich. Das ist ansteckend für meine begeisterungsfähige Phoebe. Wenn sie dann auch zu seiner Mama oder mir geht und Fränkies Erregungslevel bereits so hoch ist, kippt er ins Personen-Verteidigen mit aggressiven Ansätzen. Phoebe und Fanta, mit denen er sich in meiner Gegenwart problemlos verstanden hat, wurden da ziemlich angefahren. Nächstes Mal werde ich die beiden Hübschen ins Schlafzimmer bringen, bevor Fränkies Mama ihn abholt.

Phoebe

Phoebe begeistert mich auch: Anders als bei Fränkies letztem Besuch schafft sie es mittlerweile, drinnen zu entspannen, auch wenn er da ist, und will nicht ständig spielen. Sie lässt sich auch in die Box schicken und döst dort, während er heraußen döst. Auch das gemeinsame An-der-Leine-Gehen funktioniert diesmal ohne Spielversuche.

Eine ordentlich durch Fränkie ausgelastete Phoebe ist auch beim Clickern konzentrierter, hab ich den Eindruck. Und zu guter Letzt war Toben mit Fränkie in der Hundezone ein perfekter Reinforcer für leinenlose Fuß- und Sitz/Bleib-Übungen zwischendurch. Phoebe tut sich ja nicht so leicht mit der Impulskontrolle. Da ist Fränkie ein toller Übungspartner.

Ich habe auch festgestellt, dass ich Phoebe ruhig noch mehr, auch körperlich, auslasten kann – ich habe das Gefühl, zwei große Runden bzw. 1x Outdoor-Training und eine Runde tun ihr besser als nur eine Runde oder ein Outdoor-Training. An den Fränkie-Tagen ist sie bei unserer Abendrunde ruhig getrabt, statt zu gallopieren – sonst galloppiert und springt sie immer. An Tagen mit mehr Bewegung wirkt sie weniger überdreht.

Der Grund, dass ich von zwei großen Runden auf nur 1 Runde ODER 1x Training reduziert habe, ist, dass ich probieren wollte, ob es stimmt, dass Hunde im Alltag ruhiger werden, wenn sie weniger Bewegung machen. Anne Lill Kvam vertritt diese Meinung pauschal; sie geht davon aus, dass die meisten Hunde überfordert sind und dass der einzige tägliche Spaziergang allerlängstens 45 (?) Minuten dauern darf. Ich kann ihr nicht zustimmen. Es mag sein, dass dies für manche Hunde zutrifft. Phoebe aber gehört nicht dazu.

Fanta

Phoebe und Fränkie verstehen sich großartig. Fanta ist weniger glücklich mit Fränkie, und Fränkie ist weniger glücklich mit Fanta. Es ist also gut, dass Fränkie nur zwei Tage die Woche hier ist. Mehr wäre Fanta gegenüber nicht fair.

Mein Plan fürs nächste Mal

Die Zeit allein weiter ausdehnen, weiter am Bleib arbeiten, weiter an den Departure Cues arbeiten, und bei Hundebegegnungen aus der Ferne LAT spielen. Ich will versuchen, weiter so flexibel zu sein mit Fränkies Trennungsangst-Protokoll wie dieses Wochenende. Ich hatte mir zuvor ganz genau eine Reihe Schritte überlegt, habe sie dann aber während der Arbeit immer wieder angepasst, um das Training für ihn 100%ig erfolgreich zu gestalten. Always remember: “It’s a study of one.” (Susan Friedman).

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